Ist es nicht schön hier – Roger Stein
Es gibt Orte, die erst im richtigen Licht zu leuchten beginnen – und manchmal ist dieses Licht ein Lied.
In seinem neuen Programm «Ist es nicht schön hier» verwandelt Roger Stein das Alltägliche in
Poesie. Er hält die Lupe auf das vermeintlich Banale und entdeckt darin ganze Universen. Selbst die
Warteschlange beim Amt wird bei ihm zur philosophischen Betrachtung darüber, wie wichtig Nummern
in unserer Gesellschaft sind – über Geduld und Menschlichkeit.
Stein zeichnet keine glatten Helden, sondern schillernde Figuren – mit all ihren Brüchen,
Widersprüchen und zarten Sehnsüchten. Im „Lobbyisten-Tango“ zum Beispiel tanzt die Macht mit
der Moral, doch statt Fingerzeig gibt es Zwinkern, statt Zynismus – Empathie. Roger Stein hat ein
feines Gespür für Zwischentöne und entdeckt selbst in den kühlsten Charakteren noch einen Funken
Wärme.
Ein Panoptikum der Gegenwart entfaltet sich in diesen Liedern:
Freundschaft, Fachkräftemangel, Überlebenskünstler und Selbst-Survivalisten teilen sich die
Bühne, begegnen einander, geraten aneinander – und bleiben doch alle Teil derselben, manchmal
schrägen, manchmal wunderschönen Welt, mit reimgeladener Sprache poetisch eingefangen.
Musikalisch bewegt sich Roger Stein in einer spannenden Mischung aus Schubert’scher Tiefe, dem
eleganten Pop-Charme einer Olivia Rodrigo und der poetischen Leidenschaft eines Hannes Waders –
stets gewürzt mit einer guten Portion Schalk und feinem Humor. Rasante Comedy-Nummern stehen
im lebendigen Dialog mit berührenden Balladen und schaffen ein Programm, das ebenso zum Lachen
wie zum Lauschen einlädt. Ein Klang zwischen Asphaltstaub und Abendrot, zwischen Tanzsaal und
Tresen, zwischen Ironie und Innigkeit.
«Ist es nicht schön hier» ist mehr als ein Albumtitel – es ist eine Einladung, den Blick zu heben, die
Perspektive zu kippen, das Schöne im Schiefen zu suchen. Etwas anderes bleibt uns ja nicht.
Die Frage und der Zweifel ziehen sich als zentrale Themen durchs Programm:
Ist die Wirklichkeit, in der wir leben, tatsächlich die einzige Wahl? Ist man selbst Eigentümer eigener
Parallelwelten? Und ist der Zufall überhaupt denkbar, ohne eine von uns Menschen konstruierte
Logik?
| Sturm & Klang | 106 |
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| Veröffentlichungsdatum | 04.09.2026 |




