051 Miriam Hanika | Louise – 07.05.2021

„Louise“, das zweite Album der Multiinstrumentalistin Miriam Hanika, ist weit mehr als die bloße Weiterentwicklung eines musikalischen Konzepts. Es ist die unbändige Suche nach Freiheit, Geborgenheit und Selbstbestimmtheit einer jungen Künstlerin in der Musik. Acht deutschsprachige Lieder und zwei Instrumentalstücke, abwechslungsreich und kunstvoll arrangiert, nehmen den Zuhörer mit auf eine faszinierend einzigartige Reise. Wie auch bei Miriam Hanikas erstem Album „Wanderlust“, hat die Oboe wieder einen festen Platz in ihren Liedern. Die studierte Oboistin greift schon seit einiger Zeit auch auf das Englisch Horn zurück, die große Schwester der Oboe, und verzaubert mit ihrem samtig weichen Klang ihr Publikum. Kein Wunder also, dass sie diesem Instrument zwei Solostücke gewidmet hat. Wenn man schon bei ihrer ersten Veröffentlichung vermutet hatte, dass an Miriam Hanika eigentlich eine wahre Poetin verloren gegangen ist, dann bestätigt „Louise“ diese Annahme: Die Musikerin findet wieder einmal tiefe Worte für jede Situation und befördert sich mit Liedern wie „Etiketten“ oder „Louise“ fraglos an die Spitze deutscher Liedtexterinnen. Die deutsche Sprache, als sperrig verkannt, wird in Miriam Hanikas Händen zu Musik. Die Themen, die Miriam Hanika verarbeitet sind nah am Zeitgeschehen. Besonders die Frage nach der Identität als Frau in einer immer noch männlich geprägten Welt, hat Miriam Hanika in ihren neuen Liedern verarbeitet – ein aktuelles Thema, welches viele Künstlerinnen seit jeher beschäftigt. Miriam Hanika schlägt wie auch bei „Wanderlust“ eine Brücke zwischen Selbstreflexion und der Außenwelt. Wer sich darauf einlässt ihr über diese Brücke zu folgen, wird einen Ort finden, der gegensätzlicher kaum sein könnte: Voller Fragen, voller Ruhe, voller Ehrlichkeit und Schönheit – dem Zerbrechen nahe und voller Lebendigkeit. Text von: Anna Dederich

 

SINGLE „Louise“

Louise ist ein Lied über Zerbrechlichkeit, über das Mensch-Sein – ganz besonders aber ein Lied über das Frau-Sein und über die Bedeutung von Freundschaften und der gegenseitigen Unterstützung von Frauen. Louise war eine für ihre Zeit sehr fortschrittliche Frau, durchlebte den zweiten Weltkrieg, legte sich mit Soldaten an, stritt mit Politikern, wurde von einem Pferdewagen überrollt und blieb lange ledig, weil „der Richtige“ sie nicht heiraten durfte. Jedes einzelne einschneidende Ereignis hinterließ blaue Flecken und Narben, aber Louise war zäh und stark. Sie inspirierte eine ganze nachfolgende Generation in ihrer Familie dazu, den Mund aufzumachen und sich zusammen zu tun. Für Miriam Hanika ist Louise ihre Urgroßtante und ein ganz persönlicher Schutzengel. Auf der Suche nach weiblichen Strukturen und Vorbildern auf einemkünstlerischen und selbstbestimmten Weg, stößt man als Frau auch heute noch schnell an Grenzen. Es gibt sie nicht, die Komponistin, die Liedermacherin, die Oboistin des 20. Jahrhunderts, aber es gab und gibt eine ganze Menge starke Frauen da draußen, die man sich zum Vorbild machen kann – man muss nur ein bisschen nach ihnen suchen.

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